Gualapuro - die Gemeinde am Río Blanco (weisser Fluss).
Jeden Montag morgen, nach der letzten richtigen Dusche bis Freitag, mach ich mich mit unserer Schreinerin Cornelia auf den Weg zu unserem grünen Cotacachi-Bus. Wichtig ist, dass er grün ist, sonst landet man, wie ich eines Montagsmorgens wirklich in Cotacachi und kann nicht am Río Blanco aussteigen.
Die Busse hier werden vom Straßenrand per Handzeichen angehalten, aber man muss meistens schon penetrant winken, um sicher zu gehen, dass die Busse auch wirklich anhalten.
Cornelias und meine Busfahrt dauert ca. 10 min, die uns 20 centavos kostet.
Und wenn wir dann die Brücke übern Río Blanco sehen, schreien wir ganz laut "Graaaaacias!" nach vorne und hüpfen aus dem noch halb fahrenden Bus.
Von der selbst ernannten Bushaltestelle bis nach Gualapuro quälen wir uns dann nochmal 10 min einen Berg hoch und verfluchen die sauerstoffarme Luft, der wir hier im hohen Ecuador ausgesetzt sind.
Aber nach einer schön warmen Avena (Haferflocken-Milch-Wasser-Zucker-Gemisch) mit einem Brötchen vergißt man den schweren Aufstieg dann ganz schnell.
Mit der Avena empfängt mich meine Gastmutter nämlich meistens, wenn ich montags komme.
Meine Gastmutter heisst Celestina und ist ca. 50 Jahre alt. Sie ist eine sehr praktische Frau und erinnert mich manchmal an Oma Lotti! :)
Sie steht mit beiden Beinen und meistens einem Kind auf dem Rücken im Leben. Zur Zeit kümmert sie sich hauptsächlich um die große Familie, die uns umgibt.
Momentan ist eigentlich immer mindestens eines der drei kleinen Kinder von Freundin oder Frau ihrer Söhne bei uns im Haus.
Die schnallt sie sich dann (wie es hier so üblich ist) auf den Rücken und weiter gehts mit Feldarbeit, Wäsche waschen oder kochen.
Kochen ist ihre Spezialität, das sag zumindest ich. Zwar gibt es hier hauptsächlich Kartoffeln, Mais, Reis und Bohnen, aber Celestina schafft es doch immer wieder, was leckeres zu zaubern.
Also Hunger leiden muss ich hier wirklich nicht, eher das Gegenteil. Was in Deutschland für drei Personen reicht, ist hier eine Portion - folglich werd ich wohl als Moppelchen zurückkommen. :)
 
Ein weiterer Zeitvertreib neben dem Essen ist das Wäsche waschen. Und das dauert hier wirklich seine Zeit. Hier wäscht man die Wäsche nämlich von Hand, auf einem sogenannten Waschstein.
Beginnen tut die ganze Waschaktion damit, dass man all seine Wäsche in einen grossen Bottich schmeisst, gerade mal genug Wasser und viel zu viel Waschpulver dazu tut und das Ganze ein wenig einweichen lässt.
Danach nimmt man Teil für Teil aus dem Bottich, reibt es nochmal mit Seife ein und schrubbt dann fröhlich drauf los. Mein erster Versuch dieses Fröhlich-drauf-los-Schrubbens wurde erstmal herzlich von meiner Gastmutter belacht, aber langsam entwickel ich mich zum Schrubbprofi!
Als ich nach meiner ersten Waschaktion dann vollkommen kaputt (ihr wisst gar nicht, wie das in die Arme geht!!!), aber stolz mein Werk betrachtet hab, kam Celestina auf die glorreiche Idee, statt wie normalerweise auf der Gasherdplatte, über Feuer zu kochen... womit meine Wäsche dann nicht nur getrocknet, sondern auch geräuchert wurde. 
War aber lustig, mal über einer Feuerstelle zu kochen! :)

Weitere Familienmitglieder sind meine Gastschwester Pamela und ihre zwei Kinder.
Pamela ist die Freundin des ältesten Sohnes von Celestina. Santiago selbst (auch Vater der Kinder) wohnt zurzeit in Kanada. Dafür ist Pamela eigentlich jeden Tag bei uns. Sie ist 21 Jahre alt und arbeitet momentan auch als Lehrerin, wodurch wir uns dann abends immer über die Rabauken unserer Schulen aufregen können! :)

Sowieso ist Pamela eine sehr gute Gesprächspartnerin und ich bin froh, dass sie da ist.
Ihre zwei Kinder, Joshito und Memphis, sind solange sie beschäftigt werden echt süß, können aber auch zu kleinen Quälgeistern werden, wenn ihnen was nicht passt.
Eine andere Nachmittagsbeschäftigung von mir ist also, die Kiddies zu beschäftigen.
Joshito ist fast 3 Jahre alt und ärgert liebend gern seine ca. 9 Monate alte Schwester.
Die lässt sich aber davon nicht unterkriegen, denn sie ist für ihr nicht mal ein Jahr schon sehr selbstbewusst und will immer ihren Willen durchsetzen.
Mit dieser Art und ihrem dazu zuckersüßen Aussehen kontrolliert sie die ganze Familie!
(Ein bisschen wie Jula! :)! )

 
Schule Gualapuro
 
Die Schule in Gualapuro ist sehr klein und dafür auch sehr familiär. Es gibt zwei Aulas (Klassenräume) die insgesamt 15 Kinder beherbergen. Sieben 1.-Klässler und acht 2.-Klässler. Außerdem gibt es noch eine Lehrerin und mich.
Die Lehrerin María gehört auch zu meiner Gastfamilie. Sie ist die Frau eines weiteren Sohnes von Celestina.
Mit dem hat sie eine gerade geborene Tochter (Mitte August), Naomi.
So, zurück zur Schule. Ich komm eigentlich immer so gegen 8 Uhr morgens in der Schule an, wo der Unterricht dann meistens schon angefangen hat. Der fängt nämlich dann an, wenn die Kiddies da sind und das ist meistens schon vor 8 Uhr.
 
Montags morgens wird dann die Nationalhymne Ecuadors gesungen, aber nicht wie in anderen Schule mit gerade in eine Reihe stellen, Hand auf die Brust und alle im Takt, sondern kurz aufstehen, alle singen zu verschiedenen Zeiten und mit verschiedenen Melodien und man versteht kein Wort. :)
 
Dann machen wir bis halb 11 Uhr Unterricht und zwar alles Mögliche. Also Struktur gibt es keine, aber María und ich wollen bald einen Stundenplan machen. Bis zur Pause sitz ich dann meistens bei den etwas schwächeren Kindern oder mach Einzelunterricht mit einem Kind, dem es sehr schwer fällt lesen und schreiben zu lernen.
So trödeln wir dann lernend bis um halb 11 Uhr vor uns hin.
 
In der halben Stunde Pause wandern wir entweder einmal quer durchs Dorf zum Spielplatz oder spielen Spiele an der Schule, jetzt wo die Regenzeit angefangen hat. Und nach der Pause geht es dann an den Englischunterricht. Mit der 2. Klasse geht das auch schon echt gut, ich hab jetzt erstmal nur wiederholt und nächste Woche möchte ich dann mit ein bisschen Grammatik anfangen (to have). Mit den ganz Kleinen ist der Unterricht schon ein wenig schwieriger, weil die noch nicht lesen und schreiben können, aber ich werd jetzt einfach erstmal ganz viel mit ihnen spielen und singen und fang dann langsam mit Alltagsvokabeln an.
 
Es bringt auf jeden Fall echt Spaß zu unterrichten, auch wenn ich da vor einer ganz schönen Rasselbande stehe. :)
Wir hatten überlegt, dass ich auch noch Sportunterricht gebe, um die Kiddies ein bisschen auszupowern.
Ja und um halb 1 Uhr ist die Schule dann aus. Wir fegen dann noch schnell einmal durch die Klasse, wobei wir vorher ca. zwei Eimer Wasser auf dem Boden verteilen, damit man nicht gleich nach dem ersten Besenstrich eine Staubvergiftung bekommt.
 
Was in der Schule noch so passiert, werd ich aber auch immer mal wieder in "Aktuelles" berichten. :)
Pause in Gualapro. Ja, auch hier gibt es Gameboys... wir spielen auch Spiele. "Wer will Lobo sein?" - "Ich, ich, ich..."
 
Nieves und Dayana Hier haben wir grad ein Werbefoto für die Spenderin der guten Weleda- Creme gemacht. Danke nochmal!
 
Und danach wollten natürlich alle mal fotografiert werden...   Bastelstunde
 
Lesly voll konzentriert... Und das Resultat!
 
Die süsse Nieves! am arbeiten, so sieht man ihn selten...